FortschrittFragen I

2. Sep 2010

Die Missbrauchsdebatte geht bereits über mehrere Jahrzehnte. Sind die Ergebnisse zu dürftig? Woran liegt es?

Ich meine, es geht langsam voran und es ist kein gerader Weg, da sehr unterschiedlichen Kräfte am Thema arbeiten – oder zerren.

Niemand bestreitet mehr den Fakt, dass Missbrauch jeden Tag stattfindet. Die Taten gelten in der Gesellschaft als verabscheuungswürdig. Sollte das Fortschritte in der Prävention und dem Umgang mit betroffenen Menschen und Tätern nicht vereinfachen?

Da steht eine hübsche, 23-jährige Studentin mit langen schwarzen Haaren vor einer Schulklasse und redet über das Thema Missbrauch. Sie redet über die Folgen, über aktuelle Diskussionen in den Medien und auch darüber, selber missbraucht worden zu sein. Die Schüler zögern nur kurz mit Fragen. Dann geht es los. Es sind viele Fragen, die sie beantwortet.

Ob sie damit noch Probleme hat? Ja, jeden Tag. Sie erzählt und es wird deutlich stiller im Raum. Ich kann es regelrecht spüren, wie sie ihre Zuhörer mitnimmt. Sie ist beeindruckend, wie immer.

Auf der Rückfahrt sagt sie kein Wort. Zu Hause nehme ich sie in den Arm und sie schläft meistens schnell ein. Doch sie lässt mich nicht los. Ich weiß mittlerweile, wann ich sie wieder allein lassen kann. Bis zur nächsten Veranstaltung.
Und richtig, davon erzählt sie ihren Zuhörern nichts.

Wenn die Arbeitsgruppen des Runden Tisches zusammenkommen, dann sollte immer, bevor eine Besprechung beginnt, jemand wie sie die Teilnehmer mitnehmen. Mit ihren Worten, mit ihren Erfahrungen. Ich bin mir sicher, die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden besser. In jeder Hinsicht.

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Leitlinien

1. Sep 2010

Da sind sie nun, die neuen Leitlinien der katholischen Bischhöfe zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch.

Was die Bischhofskonferenz (nur) auf massiven Druck hin als Ergebnis präsentiert, liegt deutlich unter dem, was notwendig ist. Wie die Umsetzung dieser Leitlinien aussieht, ist wiederum ein ganz anderes Thema.

  • Geschrieben von tadmin

Missbrauch und Sarrazin

31. Aug 2010

Es ist ein Lehrstück, was wir gerade erleben dürfen.

Die Heftigkeit der Reaktionen und die Art, wie medientechnisch, politisch und rechtlich ein Feuerwerk geschürt wird, zeigt bestehende Defizite im demokratischen Diskurs. Natürlich gibt es sie nicht erst heute. Aber in dieser unverhofft klaren Sprache, werden sie für nahezu jeden Beobachter erfahrbar. Das ist wunderbar.

Ich möchte mich an dieser Stelle weniger mit den Inhalten eines Buches auseinandersetzen, das viel zu wenige Diskutanten gelesen haben, als vielmehr eine Brücke zu unserem Thema schaffen. Die Brücke nennt sich Tabu.

Tabus sind unhinterfragt, strikt, bedingungslos, sie sind universell und ubiquitär, sie sind mithin Bestandteil einer funktionierenden menschlichen Gesellschaft. Dabei bleiben Tabus als Verhaltensregeln unausgesprochen oder werden allenfalls durch indirekte Thematisierung (z. B. Ironie) oder beredtes Schweigen angedeutet: Insofern ist das mit Tabu Belegte jeglicher rationalen Begründung und Kritik entzogen.(Wikipedia)

Im aktuellen Fall ist es kein gesellschaftliches Tabu. Das heftige Zucken linksorientierter Kräfte zeigt dem besonnenen Beobachter die tatsächliche Ausdehnung. Aber es zeigt ebenso, wie schwer Tabus zu brechen sind und wie die Ausschläge zu allen Seiten hin extrem werden. Extreme können gefährlich sein.

Die Orientierung auf eine Person, die lediglich wirtschaftliche Ziele verfolgt und die Untätigkeit der Politik bei einem wichtigen Thema ausnutzt, ist dumm und fahrlässig.

Es braucht Zeit. Es braucht Wissen. Es braucht Menschen.

Also lehnen Sie sich angesichts dieses unerhört naiven Medienspektakels zurück, erkennen Sie platte Rhetorik, lesen Sie Fakten, werten Sie das Vorgetragene mit Ihrem eigenen Erleben und ziehen Sie Ihre persönlichen Schlüsse.

  • Geschrieben von tadmin

Postkarten in Wuppertal

30. Aug 2010

Die Postkarten von gm sind weiter im Land unterwegs. Das ist eine wichtige, eine gute Sache.

Gut fand ich auch, dass die WDR Lokalzeit darüber berichtete. Schade fand ich, das dem Verein nicht mehr Raum eingeräumt wurde oder werden konnte.

Interessant fand ich, dass durch die reichlich unsichere Vertreterin vom FrauenNotruf Wuppertal ein Begriff thematisiert wurde: Opfer. Zurecht verweist sie auf die verachtende Bedeutung des Wortes in der Jugendsprache. Aber es ist auch die von mir oft angeprangerte Passivität, die Stigmatisierung, welche Menschen dadurch erfahren oder auch selbst darin verharren.

Leider haben die zuständigen Redakteure des WDR diesen Hinweis nicht verstanden. Dabei sollten gerade sie ein gutes Gefühl für die Bedeutung der Sprache haben. Ich lese auf der WDR Seite zum Beitrag u.a.:

Eine der Initiatorinnen kommt aus dem Bergischen Land. Sie ist selber als Kind Opfer sexueller Gewalt geworden und kann darüber mittlerweile offen sprechen.

  • Geschrieben von tadmin

Bücherstapel

23. Aug 2010

Gelesen habe ich Scurati’s Das Kind, das vom Ende der Welt träumte noch nicht.

Aber es ist interessant, meint Deutschlandradio Kultur. Ich vermute das auch.

“Die Krankheit ist auf jeden Fall zweifach ansteckend. Die Vergewaltigungen von Kindern sind eine große Plage in unserer Zeit. Es gibt aber einen zweiten Aspekt, der nicht weniger schlimm ist und das ist die mentale Ansteckung. Es gibt Wellen von Angst, die eine kollektive Psychose hervorrufen, die dazu führt, dass unser Leben beschwert wird. Es ist, als würde irgendjemand mit dieser Angst spekulieren.”

  • Geschrieben von tadmin